Psychische Erkrankungen
MPS - mulitple Persönlichkeits- bzw Identifikationsstörung
Borderline- Persönlichkeitsstörung / Enstehung, Diagnostik
Borderline-Persönlichkeitsstörung / Ursachen und Therapie
Schizophrenie - Diagnose und Einteilung
Schizophrenie - Therapie und Prognose
Selbstverletzung / Autoaggression
Depression
Psychotisches Erleben - Psychose
Psychotisches Erleben
= Die "Psychose"
Genau wie bei der Schizophrenie handelt es sich bei der Psychose um eine ernste seelische - und geistige - Erkrankungen.
Sie verändern das Leben der Betroffenen und häufig auch das der Angehörigen massiv.
Der Begriff Psychose bezeichnet eine Krankheitsgruppe von recht unterschiedlichen Formen. Ein Teil der Psychosen wird auch Schizophrenie genannt.
Wie bei einer schweren körperlichen Erkrankung führen die Krankheitserscheinungen oft dazu, daß der Betroffene zeitweise nicht mehr arbeiten kann und sein persönliches und häusliches Leben nicht mehr so gestalten kann wie zuvor. In vielen Fällen ist eine stationäre Behandlung in einem psychiatrischen Krankenhaus erforderlich.
I. Definition
Psychosen bedeuten einen strukturellen Wandel im Erleben des Betroffenen.
Als Psychose bezeichnet man allgemein eine psychische Störungen, bei der ein struktureller Wandel im Erleben des Betroffenen feststellbar ist.
Psychosen werden nach ihrer Entstehungsursache in organische und nicht-organische Psychosen eingeteilt.
Bei den organischen Psychosen gibt es reversible und irreversible Formen.
Organische Psychosen
Organische Psychosen sind auf eine organische Erkrankung zurückzuführen.
Die organischen Psychosen werden auch oft als körperlich begründbare Psychosen oder als exogene oder symptomatische Psychosen bezeichnet. Die Begriffsvielfalt trägt häufig zur Verwirrung bei. Zu den organischen Psychosen gehören die:
- akuten organischen Psychose--> Sie sind reversibel
- chronischen organischen Psychose --> Sie sind irreversibel.
Diese Form wird auch vielfach als organisches Psychosyndrom bezeichnet.
Die akuten organischen reversiblen Psychosen unterteilen sich weiter in:
A)amentielles Syndrom.
Das amentielle Syndrom kommt vor bei vaskulären Hirnerkrankungen bzw. Durchblutungsstörungen kleiner Blutgefäße im Gehirn, und bei Schädelhirntrauma. Als Schädelhirntrauma bezeichnet man Schädelverletzungen, bei denen auch das Gehirn betroffen ist, vgl. Demenz.
Als Symptome können auftreten:
- Bewusstseinstrübung,
- Desorientierung,
- Denkstörungen,
- Ratlosigkeit,
- Ängstlichkeit und
- motorischer Unruhe bis hin zu ausgeprägten Erregungszuständen.
B)Delir oder Delirium
Vorkommen u.a. bei Vergiftungen, Infektionen.
Als Symptome können auftreten:
- Bewusstseinsstörungen,
- Orientierungsstörungen,
- Halluzinationen vor allem optische,
- vegetativen Störungen wie Schwitzen, Herzrasen (Tachykardie), Tremor, innere Unruhe
C) Dämmerzustand.
Vorkommen bei Epilepsie, nach Schädelhirntrauma, Vergiftungen.
Als Symptome können auftreten:
- Bewusstseins- und Wahrnehmungsstörung evt. mit Desorientierung und nachfolgender totaler oder partieller Amnesie.
D) Durchgangssyndrom.
Das Durchgangssyndrom bezeichnet eine Form der organischen Psychose, die ohne Bewußtseinsstörungen oder Orientierungsstörungen auftritt.
Je nach Schweregrad zeigen sich:
- Störungen der normalen Tätigkeit,
- Antriebsstörungen,
- Gefühlsverarmung,
- Verlangsamung aller psychischen Funktionen,
- Gedächtnisstörungen und Störungen der Affektivität,
- ausgeprägte Gedächtnisstörungen
- Denkstörungen,
- Halluzinationen,
- Konfabulationen (Erzählungen ohne Bezug zur realen Situation).
Bei den chronischen organischen irreversiblen Psychosen unterscheidet man:
A) frühkindliches exogenes Psychosyndrom.
Damit ist ein frühkindlicher Hirnschaden bzw. eine organische Schädigung des ZNS zwischen dem 6. Schwangerschaftsmonat und dem 3-6 Lebensjahr gemeint
B)hirndiffuses Psychosyndrom oder hirnorganisches Psychosyndrom in engerem Sinne.
C) hirnlokales Psychosyndrom.
Als Symptome können auftreten:
- Bewusstseinsstörungen,
- Gedächtnisstörungen,
- Orientierungsstörungen,
- Ich-Erlebensstörungen,
- Wahn und Halluzinationen.
Als Ursache finden sich Veränderungen im ZNS, die nicht rückgängig gemacht werden können.
Diese Veränderungen können auf unterschiedliche Erkrankungen zurückgeführt werden:
Hirntumoren, Schädelhirntrauma, frühkindlicher Hirnschaden, Vergiftungen, Infektionen (Meningitis, Enzephalitis, Infektionspsychose), Epilepsie, vaskuläre Hirnerkrankungen (Durchblutungsstörungen kleine Blutgefäße im Gehirn), Hirnatropie (vgl. Alzheimer), endokrine Störungen (z.B. Hypothyreose, Hyperthyreose, Addison-Krankheit), als Folge psychotroper Medikamente
Nicht-Organische Psychosen
Bei den nicht-organischen Psychosen findet man auch oft den Begriff endogenen Psychosen oder körperlich nicht begründbare Psychosen.
Sie unterteilen sich wie folgt:
1. Schizophrene Psychosen (Schizophrenie) mit folgenden Subtypen:
- Paranoide Schizophrenie: Dieser Typ kommt besonders häufig vor und beginnt meistens zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Häufigste Beschwerden sind Wahn und akustische Halluzinationen. Oft nur geringe Minus-Symptomatik und Störungen der Psychomotorik.
- hebephrene Schizophrenie: Früher Beginn zwischen dem 15. und 25 Lebensjahr ist charakteristisch. Vorherrschend sind Minus-Symptomatik, Hypochondrie und affektive Störungen. Halluzinationen und Wahn kommen nur selten und geringfügig ausgeprägt vor.
- katatone Schizophrenie: Diese Form der Erkrankung ist in den industiell entwickelten Ländern selten geworden. Sie äußert sich insbesondere in psychomotorischen Störungen, die sehr schwer sein können. Bei Katatonie mit Stupor, Hyperthermie und Elektrolytentgleisung kann der Zustand lebensbedrohend sein.
- schizoides Residuum: Dieser Typ bezeichnet einen chronischen Zustand zwischen einzelnen akuten Schüben. Bleibende Beeinträchtigungen bestehen in sozialem Rückzug, Passivität, Antriebsverlust, emotionaler Abstumpfung. Es kann zu einer geringfügigen Beibehaltung von systematischem Wahnvorstellungen kommen
- Schizophrenia simplex: Dieser Subtyp ist durch einen langsamen und schleichenden Beginn mit geringfügiger Symptomatik und chronischem Verlauf gekennzeichnet. Es kommt vorwiegend zur Minus-Symptomatik
2. affektive Psychosen (psychotische Depression, Manie, manisch-depressive Erkrankungen)
3. schizoaffektive Psychosen.
Dieser Begriff wird für Formen der Psychose angewandt, bei der sich Symptome der schizophrenen und der affektiven Psychose mischen. Als Ursache werden umfangreiche komplizierte Geflechte körperlicher, seelischer und sozialer Faktoren diskutiert. Auch Stoffwechselstörungen und Störungen im Bereich der Neurotransmitter werden angenommen.
II. Ursachen von Psychosen
Psychosen sind relativ häufige Krankheiten, an denen ungefähr ein Prozent der Bevölkerung, also jeder Hundertste, im Laufe seines Lebens erkrankt.
Dennoch sind die Ursachen noch immer nicht restlos erforscht.
Der Möglichkeit der Vererbung wird eine immer größere Bedeutung beigemessen, denn die Häufigkeit der Erscheinung in familiären Beziehungen ist deutlich erhöht.
Ebenso führten Untersuchungen des Gehirnstoffwechsels und des übrigen Körperstoffwechsels Hinweisen, daß sich bei den genannten Erkrankungen Stoffwechselstörungen finden. Hierfür spricht auch, daß Medikamente, die den Stoffwechsel der Nervenzelle beeinflussen, die Krankheitserscheinungen der Psychosen beseitigen oder wesentlich bessern können.
Ebenso wird angenommen, daß Einflüsse der mitmenschlichen Umwelt und belastende Erlebnisse der frühen Kindheit das Entstehen von Psychosen begünstigen können.
Aber auch diese Faktoren reichen nicht aus, um vollständig zu erklären, warum ein Mensch an einer Psychose erkrankt.
Beim Zustandekommen einer Psychose wirken also immer mehrere Faktoren zusammen:
Einerseits die Bedingungen der Erkrankungsbereitschaft = gewisse Anfälligkeit, Verletzbarkeit, andererseits zu bestimmten Zeiten äußere und innere Einflüsse, wie Stoffwechselstörungen, andere Krankheiten sowie Belastungen (Streß), innere Konflikte.
Diese können bei bestehender Verletzbarkeit die Psychose zum Ausbruch bringen.
III. Dauer und Symptome von Psychosen
Die Dauer und das Erscheinen von Psychosen ist meist nur vorübergehend.
Sie können einmal oder mehrmals im Leben eines Menschen auftreten.
Das gilt auch - wie unter Schizophrenie bereits beschrieben - für die schizophrenen Psychosen, deren Verlauf günstiger ist, als allgemein angenommen wird.
Die Krankheit kann sich sehr unterschiedlich äußern. So hat ein Betroffener plötzlich das Gefühl, die Dinge seiner Umwelt würden sich in eigenartiger Weise verändern nichts sei mehr vertraut und selbstverständlich; vieles wird als bedrohlich und angsterregend erlebt. Mancher hat das Empfinden, andere Menschen würden etwas gegen ihn im Schilde führen. Er fühlt sich beeinträchtigt und auf verschiedene Weise bedroht. Einige meinen, sie würden durch Strahlen, durch Hypnose oder ähnliches beeinflußt. Andere denken: Alle tuscheln oder reden über mich, Mitmenschen können meine Gedanken lesen oder wissen vollständig über mein Inneres Bescheid. Manche Kranke hören Stimmen, auch wenn niemand da ist, der spricht. Viele Patienten haben große Angst, sie sind voll innerer Unruhe und können nicht schlafen. Andere Kranke werden gleichgültig, interessieren sich weniger für die Dinge ihrer Umwelt und verspüren eine innere Leere. Sie können sich kaum noch zu etwas aufraffen und kapseln sich ab. Die Konzentration fällt schwer. Beim Sprechen kann der Gedankenfaden abreißen. Manche sind zeitweilig depressiv, andere auch vorübergehend in einer scheinbar heiteren Stimmung.
IV. Therapie
Auch wenn die Ursachen der Psychosen noch nicht völlig bekannt sind, so verfügt die heutige Medizin dennoch über viele Möglichkeiten, diese Krankheiten erfolgreich zu behandeln.
An erster Stelle steht das Bestreben, dem Betroffenen Schutz, Hilfe und Sicherheit zu gewähren.
Oft kann schon ein Gespräch mit dem Arzt/Therapeuten wirken , in dem der Betroffene alles sagen kann, was ihn bedrückt und worunter er leidet.
Er erfährt, daß nicht er allein von den Störungen betroffen ist, sondern viele andere auch, denen bereits geholfen werden konnte.
Gelegentlich kommt es vor, daß ein Patient die Erlebnisse seiner Psychose nicht als krankhaft ansieht und daher nur schwer zu überzeugen ist, sich behandeln zu lassen.
Dann ist es besonders wichtig, daß der Arzt/Therapeut den Angehörigen die krankhafte Natur der Störungen erläutert und ihnen erklärt, daß sie nicht als Unarten, Launen oder Versagen o. ä. anzusehen sind.
Viele können heute ambulant durch einen Psychiater (Nervenarzt) behandelt werden.
Längst nicht mehr alle müssen, wie es früher war, in eine psychiatrische Klinik bzw. ein Krankenhaus eingewiesen werden.
Die Krankenhausbehandlungen sind inzwischen wesentlich kürzer geworden.
Oft kann die Behandlung in einer Tagesklinik dem Patienten am besten helfen.
In der Behandlung spielen die Medikamente (Neuroleptika) eine sehr wichtige Rolle.
Diese Neuroleptika entfalten eine speziellereWirkung:
Sie können bewirken, daß Angst und Erregung verschwinden,
daß der Betroffene sich nicht mehr von der Umwelt beeinträchtigt fühlt,
und daß die Konzentrationsfähigkeit wieder besser wir.
Sie beseitigen also direkt die Krankheitssymptome!
Außerdem besitzen diese Medikamente noch eine vorbeugende Wirkung.
Werden die Neuroleptika von dem Betroffenen auch nach Abklingen der Psychoseerscheinungen weiterhin eingenommen weiter genommen, verhindern sie in den meisten Fällen das Wiederauftreten einer Psychose zu einem späteren Zeitpunkt.
Untersuchungen an vielen tausend Kranken haben gezeigt:
Wenn Patienten nach einer psychotischen Erkrankung diese Medikamente weitere einnehmen, erkranken sie sehr viel seltener wieder an einer Psychose, als wenn sie keine Medikamente einnehmen.
Die Prognose ist also auch bei einer psychotischen Erkrankung erstaunlich hoch.