Psychische Erkrankungen
MPS - mulitple Persönlichkeits- bzw Identifikationsstörung
Borderline- Persönlichkeitsstörung / Enstehung, Diagnostik
Borderline-Persönlichkeitsstörung / Ursachen und Therapie
Schizophrenie - Diagnose und Einteilung
Schizophrenie - Therapie und Prognose
Selbstverletzung / Autoaggression
Depression
Psychotisches Erleben - Psychose
Verlauf, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der Schizophrenie
Krankheitsphasen und Behandlungsziele
1. In der Akutphase (Wochen bis Monate)
Etablierung einer therapeutischen Beziehung
Aufklärung über Krankheits- und Behandlungskonzepte
Einbeziehung von Angehörigen
Verhütung von Selbst- oder Fremdgefährdung
Remission oder Suppression von Positivsymptomatik
Vorbereitung der postakuten Stabilisierungsphase (ggf. Einleitung von rehabilitativen Maßnahmen)
2. In der postakuten Stabilisierungsphase (ca. 3 bis 6 Monate)
Festigung der therapeutischen Beziehung
Remissionsstabilisierung
Behebung kognitiver und sozialer Defizite
Wahnkorrektur und Förderung von Krankheitseinsicht
Intensivierte Aufklärung über Krankheits- und Behandlungskonzepte
Verständniserarbeitung des Sinnes und der individuellen Bedeutung der Erkrankung
Verstärkte Einbeziehung der Angehörigen in Aufklärung und Behandlung
Sicherung der Behandlungscompliance
Früherkennung drohender Rückfälle
Entwicklung individueller Copingstrategien
Harmonisierung von familiären Konflikten
Stabilisierung und Erweiterung sozialer Kontakte
Vorbereitung rehabilitativer Maßnahmen i.e.S.
Behandlung der Negativsyptomatik.
3. In der Remissionsphase (Monate bis Jahre)
Aufrechterhaltung der therapeutischen Bezeichnung
Symptomsuppression
Rezidivprophylaxe, -früherkennung, -frühintervention
Soziale (Re-)Integration
Suizidprophylaxe
Sicherung von Therapieerfolgen
Verbesserung der Lebensqualität
Krankheitsphase und Behandlungsinstitutionen
1.Akute Episode
- Stationäre Einrichtungen
- Ambulanzen / Polikliniken
- Praxen niedergelassener Psychiater und Nervenärzte
2.Stabilisierungsphase
- Stationäre Einrichtungen
- Tageskliniken
- Ambulanzen / Polikliniken
- Praxen niedergelassener Psychiater und Nervenärzte
3.Remissionsphase
- Praxen niedergelassener Psychiater und Nervenärzte
- Allgemeinarztpraxen
- Übergangswohnheime, beschützende Wohngruppen
Ursachen der Schizophrenie
Als Ursache für diese Erkrankung werden von der Bevölkerung vor allem:
- Vererbung,
- nervliche Überanstrengung,
- tiefgreifende Erlebnisse,
- Kopfverletzungen
- sowie "Willensschwäche" gesehen.
--> Tatsächlich sind die Ursachen der Schizophrenie noch immer kaum erforscht!
Sicher ist aber, dass es sich um keine Einzelerkrankung handelt, sondern um eine Gruppe psychischer Störungen, die als "Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis" zusammengefasst werden.
1."Vulnerabilitäts-Stress-Modell".
= darunter faßt man die Überlegungen zum Zusammenhang zwischen Erblichkeit, Entwicklung, Veränderung des Hirnstoffwechsels und Auslöser zusammen (erstmals 1973 von dem amerikanischen Psychiater K.H.Nuechterlein) Nach diesem Modell ist die Schizophrenie eine Krankheit mit biologischer Grundlage, sie beruht auf einer Störung des Hirnstoffwechsels. Erbfaktoren spielen eine wichtige Rolle, jedoch wird nicht die Krankheit selbst vererbst sondern lediglich die Anlage zur Krankheit. Die Empfindlichkeit bzw Vulnerabilität ist bei jedem einzelnen Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Man nimmt an, dass verletzliche Menschen unter Stress eher zu einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis neigen als andere.
2. Genetische Disposition
Auch die genetische Disposition wird als eine Ursache gesehen.
ntersuchungen im verwandtschaftlichen Umfeld von an Schizophrenie erkrankten Personen haben Belege für eine genetische Veranlagung ergeben:
So zeigt sich, daß die Wahrscheinlichkeit, ebenfalls an Schizophrenie zu erkranken, mit steigendem Verwandtschaftsgrad zum Erkrankten zunimmt.
Sind beide Elternteile erkrankt, liegt das Risiko, ebenfalls an Schizophrenie zu erkranken, bei dem Kind bei ca. 40 %.
Bei zweieiigen Zwillingen liegt die Wahrscheinlichkeit, daß der Zwilling eines Schizophrenen ebenfalls erkrankt ist bei ca. 15 %, bei eineiigen Zwillingen bei 50% (Konkordanzrate).
Diese hohe, aber nicht hundertprozentige Übereinstimmung zeigt, daß die genetische Grundlage nicht als alleinige Ursache angesehen werden kann.
Sie wird vielmehr als Disposition verstanden, die nur zur Erkrankung führt, wenn andere Faktoren hinzukommen.
Als Beispiele für solche Faktoren, die bei einer genetischen Veranlagung zum Ausbruch von Schizophrenie führen, gelten Schädigungen im Mutterleib und besonders krisenhafte Lebensereignisse.
3. Dopaminhypothese der Schizophrenie
Schon seit langem wird vermutet, daß Dopamin auch bei der Schizophrenie eine wesentliche Rolle spielt und daß die Aktivität des Dopaminsystems im sogenannten limbischen System erhöht ist. Das limbische System ist der Teil des Gehirns, das für die Regulation der Wahrnehmungen und der Gefühle zuständig ist.
In den Nervenendigungen des limbischen Symstems, die mit der Überträgersubstanz Dopamin arbeitet, wird zu viel Dopamin gebildet. Es werden zu viele Bläschen in den synaptischen Spalt hinein freigesetzt und demzufolge zu viele Nervenimpulse weitergeleitet.
Persönliche und volkswirtschaftliche Bedeutung
- Trotz vorhandener, aber teils unzureichend genutzter, teils unzureichend differenzierter Therapiemöglichkeiten ist die Erkrankung noch immer eine schwere Belastung für Patienten, Angehörige und Gesellschaft.
Über 50% der Angehörigen sind selbst psychisch belastet oder psychiatrisch erkrankt.
- Symptomchronifizierung, soziale Behinderung und Stigmatisierung sind auch heute noch das Schicksal vieler Patienten.
- Etwa 10-15% der Patienten begehen innerhalb der ersten zehn Jahre nach Krankheitsausbruch Selbstmord.
- Schizophrenie zählt zu den zehn Krankheiten mit der größten Anzahl durch Behinderung verlorener Lebensjahre
- Selbst unter optimaler Therapie sind ca. 250.000 Patienten erkrankungsbedingt bereits in jungen Jahren erwerbsunfähig und auf öffentliche Unterstützung angewiesen.
- Schizophrenie ist die teuerste psychische Erkrankung. Die jährlichen Kosten für das Gesundheits- und Sozialsystem werden für die BRD auf 7 Mrd. DM geschätzt. Die direkten und indirekten Kosten sind denen somatischer Volkskrankheiten (Diabetes, Herzerkrankungen) vergleichbar.
Behandlung und Therapie
Aufgrund der Tatsache, daß an der Entstehung der Schizophrenie vielfältige Faktoren beteiligt sind, wird auch bei ihrer Behandlung ein sogenannter mehrdimensionaler Therapieansatz praktiziert, der aus einer Kombination psychopharmakologischer, psycho- und sozialtherapeutischer Maßnahmen besteht.
Oft wird allerdings die Durchführung der Therapie, speziell im akuten Stadium der Erkrankung, durch mangelnde Krankheitseinsicht des Patienten und fehlende Einsicht in die Therapiebedürftigkeit behindert.
I. Psychopharmaka = Antipsychotische Medikamente (Antipsychotika, Neuroleptika) und andere biologische Behandlungsverfahren
Neuroleptika sind Psychpharmaka, Medikamente, die auf die Psyche einwirken - sie beruhigen, fördern den Schlaf, ordnen Denken und Wahrnehmung und verhindern das Wiederauftreten der akuten Krankheit. Diese Medikamente blockieren die Wirkung des Neurotransmitters Dopamin im Gehirn (Dopamin-Antagonisten).
Neurotransmitter sind chemische Stoffe, die Nervensignale weiterleiten.
Früher deutete man deshalb die Schizophrenie als Folge einer Überproduktion an Dopamin.
Neuere Untersuchungen weisen jedoch darauf hin, dass nur ein Teil der Dopamin-Signalwege überaktiv sind.
Neuroleptika sind aber sehr gut wirksame Medikamente - bei mehr als 90 Prozent der erstmals an einer Schizophrenie erkrankten Patienten bilden sich die Akutsyptome unter der Behandlung vollständig zurück. Nach einigen Wochen sind die Akutspymtome allerdings weitgehend abgeklungen.
Die antipsychotischen Medikamente spielen seit vielen Jahren eine wesentliche Rolle bei der Schizophreniebehandlung.
Die "klassischen" Medikamente (Haloperidol, Flupenthixol, Perphenazin u.s.w) sind besonders bei den "produktiven" Symptomen wirksam.
Die neueren antipsychotischen Medikamente (Risperidon, Olanzapin) haben auch eine günstige Wirkung auf die "negativen" Symptome.
Andere Psychopharmaka werden ebenfalls bei der Schizophrenie--Behandlung eingesetzt, darunter fallen Beruhigungs- und Schlafmittel und Antidepressiva.
II. Trainierende und tagesstrukturierende Verfahren
A.) Die Beschäftigungstherapie
= verschiedene Techniken: Malen mit Stiften, Aquarellfarben, Seidenmalerei, Arbeiten mit Holz und Ton, Handweben, Korbflechten etc.
Die Beschäftigungstherapie bietet die Möglichkeit, handwerkliche Techniken zu erlernen, schöne Dinge zu gestalten, und dabei mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und mit ihnen zusammenzuarbeiten.
Umstritten ist, ob diese Behandlungsform großen Effekt hat auf die "produktiven" Symptome.
Doch mit der Gesprächstherapie wird versucht, das Selbstwertgefühl zu steigern, die Bewältigung der Symptome zu erleichtern, die eigene Initiative zu stärken und Einsamkeit zu verhindern.
Die Beschäftigung ist wichtig, um den Patienten zum Fortsetzen der medizinischen Behandlung zu motivieren.
B.) Haushaltstranining
Das Haushaltstraining bietet Betroffene, die aufgrund ihrer Erkrankung mit Haushaltstätigkeiten zurecht kommen, die Gelegenheit, sich diese Fähigkeiten anzueignen und sichert ihnen somt ihre Eigenständigkeit und Selbständigkeit nach Abklingen der akuten Symptome.
C.) Training geistiger Fähigkeiten
Nach Abklingen der akuten Phase ist es von großer Wichtigkeit, die geistigen Fähigkeiten zu trainieren. Das kann mit Hilfe bestimmter Therapieprogramme geschehen, beispielsweise mit dem Integrierten Psychologischen Therapieprogramm (IPT), das von einer Gruppe von Schweizer Psychiatern entwickelt wurde. Ähnliche Ziele verfolgen computergestützte Verfahren, oder Gruppentherapien, in denen beispielsweise Zeitschriftenbeiträge gelesen und anschließend gemeinsam diskutiert werden.
D.) Arbeitstherapie
Sie dient in erster Linie der Vorbereitung auf das Arbeitsleben vor der Entlassung aus der stationären Behandlung.
Die Betroffenen werden unter einem langsam ansteigenden Leistungsdruck gestellt, der sie an die Anforderungen in der "normalen" Arbeitswelt heranführen soll.
E.) Bewegungs- und Tanztherapie
Da sich psychische Krankheiten oft in körperliche Symptome äußern, ist es sinnvoll, sowohl die Psyche als auch den Körper zu behandeln.
Die Bewegungstherapie hilft nicht nur dabei, beweglich und körperlich leistungsfähig zu bleiben, sondern soll auch Freude an der körperlichen Bewegung vermitteln.
F.) Kunst- und Musiktherapie
In der Kunsttherapie wird die Möglichkeit gegeben, daß der Betroffene seine Gedanken und seine Gefühle frei von Leistungsdruck auf Papier oder in plastische Form bringen kann. Es ist völlig unwichtig, ob er malen kann oder gestalterisch geübt ist - es ist lediglich wichtig, das eigene Erlebte und Erleben in in der Sprache der Bilder zum Ausdruck zu bringen.
Die Musiktherapie arbeitet nicht mit Bildern, sondern mit Tönen, aber die Ziele sind ähnlich.
In der rezeptiven Musiktherapie werden die Betroffenen dazu angeregt, die beim Hören von Musik entstehenden Empfindungen und Gedanken bewußt zu erleben und in Worte zu fassen.
In der aktiven Musiktherapie formen sich Töne und Geräusche durch das Zusammenspiel von Patienten und Therapeuten zu Musik.
Auch bei der Musiktherapie spielt das technische Beherrschen der eigenen Stimme oder eines Musikinstrumentes keine Rolle.
III. Psychotherapie
Viele psychische Störungen lassen sich am besten behandeln, wenn Patienten über sich und ihr bisheriges Leben nachdenken und diese Gedanken dann mit einem Arzt oder Psychologen austauschen. Sie erkennen möglicherweise, daß manche Schwierigkeiten, mit denen sie kämpfen, ihre Wurzeln in der Kindheit oder auch in den derzeitigen Lebensumständen haben.
Psychotherapie nennt man das Gespräch zwischen Arzt und Patient, in dem der Arzt oder Psychologe mit dem Patienten spricht, um ihm zu helfen, sich selbst besser kennenzulernen und nach Lösungen für die persönlichen und zwischenmenschlichen Probleme zu suchen.
Manche Psychotherapiemethoden arbeiten nicht in erster Linie mit Gesprächen, sondern mit übenden Verahren, wieder andere versuchen, diesen Prozeß mit bestimmten Spielen zu unterstützen. Alle diese Methoden können zum Erfolg führen und Patienten helfen, ihre Schwierigkeiten besser zu bewältigen.
IV. Soziale Maßnahmen
Dieser Aspekt in der Behandlung der Schizophrenie ist gerade wegen dem langsamen sozialen Rückzug des einzelnen und der damit beginnenden einschleichenden sozialen Isolation von großer Bedeutung.
Bewährte Möglichkeiten sind:
- Patientenclubs und Organisationen
- entsprechende Rehabilitations- und Freizeitangebote
- geeignete Wohnformen (Wohngemeinschaften, geschützte Wohnungen, betreutes Wohnen etc.)
Aussicht bzw Prognose
Grundsätzlich gilt:
Schizophrenie ist eine langwierige Krankheit!
Es kann aber durchaus spontane Genesung, selbst nach jahrelanger Krankheitsdauer, vorkommen.
Die Behandlung kann die Krankheit nicht heilen --> sie kann aber die Symptome bessern.
Es besteht für alle Betroffenen die Hoffnung, dass ein früher Behandlungsbeginn die Krankheit mildern kann, so dass zumindest eine soziale Isolation verhindert wird.
Die Forschung bemüht sich intensiv, neuere und effektivere Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln.