Psychische Erkrankungen

MPS - mulitple Persönlichkeits- bzw Identifikationsstörung

Borderline- Persönlichkeitsstörung / Enstehung, Diagnostik

Borderline-Persönlichkeitsstörung / Ursachen und Therapie

Schizophrenie - Diagnose und Einteilung

Schizophrenie - Therapie und Prognose

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Psychotisches Erleben - Psychose



Ursachen und Therapie von Borderline-Persönlichkeitsstörungen

1. Ursachen

Obwohl viele empirische Studien über die Entstehung von Boderline-Persönlichkeitsstörungen existent sind und weiterhin durchgeführt werden, gibt es noch immer keinen bestimmten Grund bzw eine bestimmte Ursache, die für die Entstehung der Störung verantwortlich gemacht werden könnte.
Die Theorien stützen sich auf folgende 3 Hauptgründe:

1. psychologische Entwicklungswurzel
2. anlagebedingter Ursprung (biologisch und genetisch)
3. soziokulturelle Faktoren

Es wird allgemein angenommen, daß eine Kombination von neurologischen und sozialen Faktoren und frühkindliche Entwicklungserfahrungen für das Entstehen der Krankheit verantwortlich sind.

I. Psychologische Ursache

A)Wurzel in der Kindheit
Gemeint ist damit eine Störung in der wichtigen Interaktion zwischen dem Kind und seiner Bezugsperson, vor allem während der so bedeutenden ersten Lebensjahre. Gerade zwischen dem 18. und dem 30 Lebensmonat des Kindes kämpft es um seine Selbständigkeit und strebt nach Autonomie. Können Eltern diesem Drang des Kindes nicht nachgeben und halten sie es gewaltsam in einer oft ausschließlichen, kontrollierten Abhängigkeitsbeziehung, wird es in eine erstickende Art der Symbiose getrennt. Es bekommt keine Chance, sich von seinen Eltern zu lösen.
Der entgegengesetzte, extreme Fall sind Eltern, die sich über längere Zeiträume nur selten oder aber überhaupt nicht um das Kind kümmern. Dadurch werden dem Gefühlen und den Erfahrungen des Kindes nicht genug Aufmerksamkeit und Beachtung geschenkt.
Beide Verhaltensweisen können dazu führen, daß das Kind kein positives, stabiles "Ich"-Gefühl entwickelt. Es entsteht dadruch ein ständiges, intensives Bedürfnis nach Bindung und die chronische Angst, verlassen zu werden.

B) Traumata
Schwerste Traumata wie
- Verlust der Eltern
- andauernde Vernachlässigung
- wiederholte Abweisung
- körperlicher oder sexueller Mißbrauch

in den ersten Entwicklungsjahren steigern die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Borderline-Persönlichkeitsstörung im Erwachsenenalter.

II. Anlagebedingte Ursachen

Einige Psychiater vertreten die Ansicht, daß biologische und genetische Faktoren bei der Entwicklung eienr Borderline-Persönlichkeitsstörung eine entscheidende Rolle spielen. Unterstützt wird diese Theorie durch die Tatsache, daß jeder einzelne auf die kümmerliche Kindererziehung und Traumata im Kindesalter unterschiedliche Reaktionen zeigt. Daher geht man davon aus, daß die biologische Veranlagung eine große Rolle spielt.

A) Biochemisches Ungleichgewicht
Diese Theorie geht davon aus, daß die Borderline-Persönlichkeitsstörung zumindest teilweise das Ergebnis eines biochemischen Ungleichgewichts sei, das auch bei anderen psychischen Erkrankungen eine Rolle spielt.

In zahlreichen Untersuchungen wurde eine Verbindung zwischen impulsiven Akten und Abnormitäten im Serotonin-Stoffwechsel festgestellt, einem chemischen Neurotransmitter, der bei Gemütsstörungen eine Rolle spielt. Die Forscher kamen zu dem Schluß, daß diesselbe Impulsivität, die bei Borderline-Patienten beobachtet wurde, mit ähnlichen Stoffwechselstörungen in Beziehung stehen können.

B) Neurologische Faktoren
Einige Untersuchungen haben bei Borderline-Patienten eine abnorme Hirnwellenaktivität im Bereich des Schädellappens ergeben, was auf eine Dysfunktion in diesem Teil des Gehirns hindeuten könnte. Es wurden bei diesen Tests auch abnorm hohe Mengen eines Hormons dder Hirnanhangdrüse festgesttellt. Untersuchungen belegen, daß Borderline-Patienten im Schlaf eine bestimmte Hirnwellenaktivität zeigen, die als kurze REM-Latenz bezeichnet wird. Hierbei ist die Zeitspanne, die dem Träumen verausgeht, verkürzt.

C) Genetische Verbindung
Einige genetische Untersuchungen haben bestätigt, daß bei Blutsverwandten von Borderline-Pateinten ein höherer Prozentsatz an Stimmungsstörungen, Alkoholismus und anderen Persönlichkeitsstörungen besteht, als zuerst angenommen.
==> Forscher kamen daher zu dem Schluß. daß sich die Wahrscheinlichkeit für die Borderline-Erkrankung aus mehreren beitragenden Faktoren zusammensetzt - die auf Veranlagung und Erziehung zurückzuführen sind, gleichzeitig am Werk sind und in einer Wechselbeziehung zueinander stehen.

III. Soziokulturelle Faktoren =" Die Borderline-Gesellschaft"

Im Gegensatz zu dem formal durchstruktierten, viktorianischem Gesellschaftsbild zur Jahrhundertwende des 19. Jahrhunderts werden heute aggressive und sexuelle Impule viel offener ausgedrückt und das soziale Milieu erscheint immer verworrener. Strukturen sind weniger festgelegt, die Familieneinheit und die kulturellen Rollen weniger einheutlich defininiert. Diese Umstände haben durchaus gravierende Einflüsse auf die Ausprägung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, vor allem aber verschlimmern sie eine bereits bestehende Persönlichkeitsstörung, da die Beständigkeit und die Verläßlichkeit im Spiegel der Gesellschaft fehlt. Persönliche, intime Beziehungen werden schwer oder gar nicht mehr eingegangen und tiefsitzende Einsamkeit, Egozentrik, Leere, Angst, Verlust der Selbstachtung und Depression können die Folge sein.

Diese Theorie, die die ständige Zunahme an Borderline-Patienten dadurch zu erklären versucht, stützt sich auf die Theorie, daß die Borderline-Merkmale,die in einem gewißen Ausmaß alle Menschen aufweisen können, durch die vorherrschenden sozialen Bedinungen im großen Umfang hervorgerufen werden. Sie stellt somit eine pathologische Reaktion auf die Belastungen in der Gesellschaft dar.



2. Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Alle Behandlungsmethoden haben zunächst ein gemeinsames Ziel:
effektiveres Funktionieren in einer Welt, die als weniger geheimnisvoll, weniger schädlich und damit als angenehmer wahrgenommen werden kann. Vorrangig geht es darum, Einsicht zu gewinnen in die Unproduktivität des aktuellen Verhaltens. Alte Reflexe müssen aufgearbeitet werden und neue Möglichkeiten müssen entwickelt werden, um mit den täglichen Belastungen des Lebens besser fertigzuwerden.

Eines der Hauptziele ist es, ein eigenständiges Identitätsgefühl zu entwickeln und Grenzen festzulegen. Denn die Begründung einer konstanten Identität bedeutet die Fähigkeit, auf eigenen Füßen zu stehen und mindert den Impuls, vollkommen mit andere verschmelzen zu wollen. Es gibt dem Betroffenen die Möglichkeit, sich in einer angenehmen Weise von anderen abhängig zu machen und verhindert erstickende, krankmachende Abhängigkeitsbeziehungen.

Der wichtigste Teil einer Therapie ist mit Sicherheit die Beziehung zwischen Patient und Arzt. Diese Wechselbeziehung bildet die Grundlage für Vertrauen, Objektkonstanz und emotionaler Intimität. Der Arzt wird zu einer Vertrauensfigur - ein Spiegel, der die sich entwickelnde, beständige Identität wiederspiegelt. Mit dieser Beziehung lernt der Borderline-Patient, die passende Erwartung und sein Vertrauen auch auf andere zu erweitern.

Die Therapiedauer hängt im wesentlichen von der persönlichen Zielsetzung ab - es werden aber für gewöhnlich mehrere Jahre für die Behandlung und Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung anberaumt. Diese Zeit kann oft durchsetzt sein von Therapiepausen.

Der Erfolg einer medikamentösen Therapie ist umstritten.



3. Prognose

Auch wenn die Prognose für die Gesellschaft im allgemeinen durch den ständigen Anstieg von Borderline-Persönlichkeitserkrankungen eher negativ eingefärbt ist, so erweist sich eine unterstützende und tragende Therapie oft für den einzelnen Betroffenen als Hoffnung auf ein erfülltes, lebenswertes Leben.

Hauptquelle: "Ich haße Dich- verlaß´ mich nicht", von Jerold J. Kreismann, Hal Straus